Simon Koelsch coding software, using gadgets

5Jun/11Off

Amazons Kindle 3

kindle-3Seit einiger Zeit habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir einen E-Book Reader zu kaufen. Eigentlich möchte ich nach wie vor ein Buch in der Hand halten. Allerdings lese ich immer wieder Romane, die ich in den nächsten Jahren nichtmehr anfassen werde und die nur unnötigen Platz im Regal wegnehmen. Dazu kommen jede Menge Fachartikel die es so in Buchform eigentlich garnicht gibt. Da ich das Lesen am Monitor anstrengend finde, werden die meistens ausgedruckt und danach weggeworfen. Alles nicht so optimal, daher habe ich inzwischen einen Kindle gekauft.

Ich will hier kurz meine Erfahrungen mit dem Gerät schildern. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Kindle ist ein E-Book Reader, kein Multimedia Tablet.
Wer das Kindle als alternative zum iPad sieht, sollte sich den Blogbeitrag "Das unmagische Amazon Kindle" von 343max durchlesen.

E-Ink

Das Display ist bei einem E-Book Reader für mich das wichtigste Kriterium. E-Ink versucht dabei echtes Papier nachzuahmen. Das Display reflektiert dabei das Licht, leuchtet also nicht selbst. Der Vorteil dabei ist deutlich angenehmeres lesen. Bei starkem Sonnenlicht werden die meisten Displays von diesem "überleuchtet" und der Text ist nichtmehr zu erkennen. Bei einem passiven Display passiert das nicht.
Die benutzte Technik beim Kindle benötigt zur Anzeige keinen Strom. Das Bild wird einmal erzeugt und danach dauerhaft angezeigt, was sich positv auf die Akkuleistung auswirkt (1 Monat ohne WLAN).
Der Text sieht bei normalen Tageslicht perfekt aus. Bei einem neuen Gerät wird vor dem Einschalten eine Schnellstartanleitung auf dem Display angezeigt. Ich habe diese Anzeige im ersten Moment für eine Folie gehalten die als Schutz über das eigentliche Display geklebt ist. Soviel also dazu.
In Räumen die nicht hell ausgeleuchtet sind, wird der Hintergrund leicht grau, der Kontrast zum Text ist aber für mich immernoch ausreichend.
Das Schriftbild, Zeilenabstände und Schriftgrösse lassen sich den eigenen Lesegewohnheiten anpassen.
Was aufällt ist die in Anführungszeichen "langsame" Aktualisierung des Bildschirms. Beim Blättern auf die nächste Seite blinkt der Bildschirm für einen kurzen Moment auf, der Menüaufbau dauert dann schonmal ~ 1 Sekunde. Negativ fällt das allerdings nicht ins Gewicht. Ich will mit dem Gerät ja lesen und keine Filme schauen.

Usability

Der Kindle liegt zuerst etwas ungewohnt in der Hand. Man weiss erst nicht so ganz, wie man ihn anfassen soll. Unten gibt es die Tastatur und an den Rändern die Tasten zum blättern. 0,85 cm sind schon ziemlich flach. Irgendwie wusste ich am Anfang nicht so ganz wohin mit meinem Daumen...
Die zusätzlich gekaufte Hülle hat diesen Nachteil allerdings mehr als ausgeglichen. Wenn man die Vorderseite umschlägt hat man in etwa die Dicke eines Buches, was alles angenehm griffig macht. Das Gewicht ist mit 240 g ziemlich angenehm.

Die Menüführung ist im ersten Moment äusserst ungewohnt. Hier wird einem schnell bewusst, dass man kein Touchpad oder Smartphone in den Händen hält. Positiv ausgedrückt fühle ich mich an die Bediehnung eines 10 Jahre alten Handys erinnert.

Was mich allerdings wirklich stört, ist die Tastatur des Geräts. Die Steuertasten für den Cursor, zum Beispiel zur Auswahl der Menüpunkte oder zum Nachschlagen eines Wortes, sind zu klein. Direkt darunter ist die "Back" Taste angebracht, direkt darüber die "Menü" Taste. Wenn man nicht genau den Druckpunkt findet, landet man schnell an der falschen Stelle.
Absolut bescheuert ist die Eingabe von Zahlen: Man muss dazu auf die "Sym" Taste drücken und die Zahlen mithilfe des Cursors auswählen. Um also auf Seite 42 zu springen, muss man entweder 42x auf die Taste zum blättern drücken oder auf "Menu", "Go to" (einfach Enter), "Sym", Cursor zur 4 bewegen, "Enter", Cursor zur 2 bewegen "Enter"... Da hätte es definitv bessere Lösungen gegeben.
Die grossen Tasten links und rechts zum umblättern sind in meinen Augen allerdings angenehm positioniert.

Möchte man ein Wort nachschlagen ist es ausreichend den Cursor zum entsprechenden Wort zu bewegen. Es wird dann automatisch eine Beschreibung aus dem eingestellten Dictionary (zum Beispiel Oxford Dictionary oder Duden) unter oder über dem Text angezeigt. Der Lesefluss wird dabei nicht gestört.

An die Bedienung habe ich mich inzwischen recht schnell gewöhnt und bin eigentlich zufrieden.

Kindle Versionen und der Amazon Account

Den Kindle 3 gibt es in zwei Versionen. Eine Version mit WiFi für 139 Euro und eine Version mit Wifi + 3G für 189 Euro. Bei der Version für 189 Euro ist in Deutschland eine Verbindung ins O2 Netz sichergestellt. Darüber werden dann gekaufte Bücher an das Gerät übertragen. Gebühren fallen keine an.
Ich habe mich für die WiFi only Version entschieden. Mein Android Smartphone kann über Tethering als WLAN Accesspoint fungieren, was mit dem Kindle zusammen wunderbar funktioniert.
Das Gerät selbst ist automatisch mit dem Amazon Konto verknüpft, über das es gekauft wurde. Im Nachhinein lässt sich das natürlich auch ändern. Gekaufte Bücher werden dann an das Gerät übertragen. Eine ganze Reihe an Klassikern bei denen zum Beispiel das Urheberecht abgelaufen ist, werden von Amazon kostenlos angeboten.
Die im Kindleshop gekauften Bücher können immer wieder an die registrieren Geräte (zum Beispiel auch die Kindle App des iPads, Android, etc.) geschickt werden. Alternativ kann man natürlich auch seine Dateien über die USB Schnittstelle übertragen. Bookmarks, Notizen und aufgeschlagene Seiten werden ebenfalls synchronisiert.

Unterstützte Formate

Angezeigt wird das eigene Kindle-Format (.azw), Mobipocket (.mobi), PDF, Word, Text und HTML. Word und HTML habe ich nicht getestet. Bei .azw gibt es selbstverständlich keine Probleme. Mobipocket und Text funktionieren wie erwartet auch einwandfrei. Word und HTML habe ich nicht getestet.
Was absolut garnicht funktioniert ist PDF. Das Dokument wird zwar dargestellt, allerdings muss man umständlich über das Menü zuerst eine Zoomstufe einstellen und dann mit dem Cursor einen Bildausschnitt wählen. Hat man den Ausschnitt gelesen, muss man mit dem Cursor weiterscrollen. Zu gebrauchen ist die Funktion absolut nicht. Schade.
Wer allerdings E-Books im PDF Format hat, kann diese zum Beispiel mithilfe von Calibre problemlos in das Mobipocket-Format konvertieren. Dort kann man dann als Ausgabelayout dann auch Kindle einstellen. Der Umweg ist zwar unschön, erziehlt allerdings gute Ergebnisse.
Calibre kann übrigends auch EPUB konvertieren, solange kein DRM vorhanden ist.

Und sonst?

Als experimentelle Funktionen wird noch ein Browser angeboten. Ja man kann mit dem Kindle im Internet surfen. Nein, man will mit dem Kindle nicht im Internet surfen. Die Benutzerfreundlichkeit entspricht in etwa der vom lesen eines PDFs. Ausserdem sieht die Schrift hier oft ziemlich verwaschen und unscharf aus.
Zu erwähnen wäre noch die Möglichkeit, einer Vorlesefunktion und MP3s abzuspielen. Dafü gibt es einen 3,5mm Klinken Ausgang oder interne Lautsprecher. Beide Funktionen sind für mich nicht wirklich relevant. Bücher kaufe ich, damit ich sie selbst lesen kann und MP3s höre ich über meinen MP3-Player oder Smartphone.

In Kurz

Wie eingangs schon erwähnt ist der Kindle ein reiner E-Book Reader und dafür funktioniert er sehr gut. An die Handhabung habe ich mich relativ schnell gewöhnt.
Das Display schlägt alles was ich bisher in dieser Richtung gesehen habe.
Formatmässig unterstützt er .AZW und Mobipocket. Wer PDF und EPUB will muss diese Formate konvertieren. Blogs, RSS-Feeds und andere Inhalte liest man besser auf einem anderen Gerät oder konvertiert diese ebenfalls mit Calibre.
Gekaufte Amazon E-Books werden tatsächlich sofort innerhalb von 60 Sekunden an den Kindle gepusht.

Zufrieden? Definitv ja.

Das oben verwendete Bild stammt von zonebattler.net aus dem Blogartikel "Das Kindle am Manne".

Kommentare (4) Trackbacks (0)
  1. Ich habe ja auch schon mit dem Gedanken gespielt mir das Teil zu kaufen.
    Beim ersten anfassen fand ich aber den Kontrast etwas zu schwach. Ein paar Monate später habe ich mir dann ein iPad gekauft, buch geladen und getestet, wie gut es sich auf dem Teil liest.

    Nach maximal 30 Seiten geht es nicht mehr, die Hintergrundbeleuchtung und die unscharfen Buchstaben strengen einfach zu sehr an.
    Am entspanntesten liest sich immer noch ein schönes auf papier gedrucktes Buch. Noch ein Vorteil vom Buch, man kann es in den Schrank stellen und Leute damit beeindrucken, wie viel man schon gelesen hat ;-)

  2. Die Eingabe von Zahlen geht erheblich weniger umständlich, wenn man weiß wie: Einfach [Alt] drücken (kurz reicht, muß nicht dauerhaft niedergehalten werden) und dann eine Buchstaben-Taste der oberen Reihe. Q = 1, W = 2, … , P = 0. Im Netz findet sich noch eine Anzahl weiterer praktischer Shortcuts…


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